Dies & Das Unterwegs

FOOD LABS: VEGAN LEBEN

Im Jahr 2016 lud Edeka nach Hamburg zu ihren Food Labs, schon im Jahr 2008 beschloss ich, vegan zu leben. Acht Jahre sind zwischen meiner Entscheidung und dem Event vergangenen.

Meine damalige Entscheidung wurde sozusagen über Nacht getroffen, nachdem ich eigentlich geplant hatte, ab sofort vegetarisch zu leben. Zuvor hatte die Metzgerei, die mich über viele Jahre hinweg mit zarten Schnitzelchen und sehnen- und fettarmen Tatar beglückt hatte, auf Grund des stark vorangeschrittenen Alters des Geschäftsführers und dem Alter der skurrilen Mitarbeiterinnen, geschlossen. Nirgends, da war ich mir sicher, würde ich jemals wieder Fleisch mit nur annähernd guter Qualität finden und befand: Okay, dann werde ich doch einfach Vegetarierin.

VEGAN LEBEN: MEIN START ’08

Umgehend begann ich nach vegetarischen Rezepten zu suchen und traf dabei immer wieder auf erschreckende Informationen, die ich tatsächlich lieber nicht entdeckt hätte. Ausblenden konnte ich jene Bilder allerdings nun auch nicht mehr. Meine kleine Welt, die zuvor mit einer Schutzschicht aus Käse überbacken gewesen sein muss, schmolz schnell und irreparabel davon. Sofort wollte ich aus ethischen Gründen vegan leben, Tierleid nicht mehr länger unterstützen und stürzte mich so direkt und mit viel Neugierde in das Abenteuer Veganismus.

Dass es schon wenige Jahre später sehr viel einfacher werden würde, vegan zu leben, der Veganismus sogar gesellschaftsfähig werden würde, das wäre für mich zu diesem Zeitpunkt unvorstellbar gewesen. Veganer/innen galten nämlich als linksextreme Moralisten, Krawallisten oder als Miso-Süppchen schlürfende Hippies – je nach dem, wen man danach befragte. Kurz: wir waren grundsätzlich sehr unbeliebt.

Mein Wochenendeinkauf nahm zu Beginn mehrere Stunden des Tages ein, da brauchbare Zutaten im gesamten Stadtgebiet mühsam zusammen gesucht werden mussten. Sojamilch war noch völlig überteuert und nur im Bioladen zu bekommen, weswegen diese im Alltag von mir nur sehr sparsam eingesetzt wurde. Bei Edeka und anderen Ketten konnte ich nur mein Obst und Gemüse holen. Einmal, an Silvester, verknetete ich, gemeinsam mit Freunden, riesige Mengen an Mehl mit vielen Litern Wasser. Wir wuschen die entstandene, klebrige Masse wieder und wieder aus und erfreuten uns letztendlich an einem winzigkleinen Klumpen Seitan, der nach all unseren Anstrengungen als schmackhafter Rückstand übrig blieb und in Scheibchen geschnitten als Burger herhalten musste.

Deutschsprachige Kochbücher und Blogs waren nicht bzw. kaum vorhanden (Irre übrigens, dass ich selbst im Jahr 2011 das Blog A Very Vegan Life begann und ein paar Jahre später mein erstes eigenes Kochbuch Mix it! veröffentlichen durfte. Hätte man mir das damals erzählt,…). Wichtige Informationen erhielt ich vor allem durch das sehr kleine, vegan lebende Umfeld oder auch in (englischsprachigen) Foren. Produktanfragen wurden inflationär an Unternehmen geschrieben und die hart erkämpften Antworten, sofern diese zufriedenstellend waren, überall verbreitet. Die Kennzeichnung pflanzlicher Produkte stellte nämlich noch eine riesige Ausnahme dar, mal davon ab, dass vegane Produkte an sich schon eine riesige Ausnahme waren.

Was es bedeutet, vegan zu leben, wussten damals noch die Wenigsten. Immer und immer wieder musste ich erklären, dass ich sogar keinen Fisch esse und Honig in Kosmetik auch nicht akzeptabel finde. Nicht selten traf ich auf völliges Unverständnis, es wurden schlechte Witze gemacht oder sich ausgiebig um meine Aufnahme überlebenswichtiger Nährstoffe gesorgt (Woher bekommst du denn deine Proteine, mh?).

VEGAN LEBEN: HIER & JETZT

Und heute? – da schlürfe ich Latte Macchiato mit fluffigstem Schaum einer Milchalternative im nächstbesten Café und verliere mich in einer Vielzahl an veganen Kochbüchern zu abwechslungsreichen Schwerpunkten. Hochwertige, neuartige Blogs, vergleichbar mit unterhaltsamen Magazinen, ploppen tagtäglich im Stream auf, genauso wie die Anzahl an Produkten für Veganer/innen tagtäglich ansteigt. Bei Bedarf stapfe ich schnell in den Supermarkt, um diese nach kurzer Zeit mit prall gefüllten Tragetaschen wieder zu verlassen. Mit meinen Freunden, von denen im Laufe der Zeit immer mehr zu (Teilzeit-) Veganer/innen geworden sind, schnabuliere ich herzhafte Burritos oder cremige Currys, schlürfe grüne Smoothies und teile meine Schokolade (Okay, das mit der Schokolade war eine Lüge, denn diese wird niemals geteilt!).

Veganismus ist zum Trend geworden (Einer, der hoffentlich immer bleiben wird…) und Veganer/innen, die vielfältiger nicht sein könnten – ebenso vielfältig wie die Gründe für ein veganes Leben – trifft man überall. Jede/r kann heute unkompliziert vegan leben.

EDEKA: FOODS LAB

Es verwundert daher auch nicht weiter, dass am vergangenen Samstag zum ersten Mal die Food Labs von Edeka in Hamburg stattfanden und das Thema des Tages tatsächlich die vegane Küche war. Gemeinsam, auch mit nicht-Veganer/innen, wurde sich im Happenpappen und der veganen Kochschule Kurkuma ausgetauscht, in Erinnerungen geschwelgt und vor allem pflanzlich gekocht und genossen. Nadine und Jörg vom Blog Eat This! hatten eigens für diesen Food Labs-Tag von Edeka Street Food-Rezepte entwickelt, die u.a. von Arne von Vegetarian Diaries, Sarah von Vegan Guerilla, Laura und Nora von Our Food Stories, Hafenmädchen Anne, Ina von What Ina Loves und weiteren Blogger/innen, Foodies und Experten nachgekocht wurden. Sehr lecker war’s und auch sehr schön, sich in entspannter Atmosphäre, bei den 1. Food Labs von Edeka, untereinander auszutauschen…

Fotos: Caren Detje Photographie 

Als Erinnerung an den Tag des 1. Food Labs von Edeka, ist neben obigen Fotos auch ein Video entstanden, welches ich dir nicht vorenthalten möchte:

#edeka food labs

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2 Comments

  • Reply
    Stefanie
    28. April 2016 at 11:36

    Das hast du richtig schön geschrieben. Foodlabs hört sich interessant an. Weißt du wo ich die Rezepte finde?

    • Reply
      Lena Suhr
      28. April 2016 at 12:12

      Danke Dir!
      Ich glaube, die wird es demnächst im Blog von Eat This geben…

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