Unsere heutige Gesellschaft hält (zum Schein) unzählige Möglichkeiten bereit und offenbart uns so zugleich noch mehr Möglichkeiten zum kläglichen Scheitern. Die Anforderungen an uns steigen täglich und der Zwang, mithalten zu können, nimmt uns dabei immer mehr ein. Die Enttraditionalisierung setzt sich weiter fort. Die Weltgesellschaft wird plötzlich Teil der eigenen Biografie. Dieses und noch Vieles mehr, führt zu starken Unsicherheiten, deren Bewältigung zur Lebensaufgabe geworden ist. Hass wurde dabei vielerorts zur Bewältigungsstrategie, während die Empathie verloren und die ethische Grundhaltung, das jedem Menschen geholfen werde, außer Kraft gesetzt worden scheint. Hass gibt sich (be)herrschend und zerstörend. Zur Rechtfertigung wird auf Realitäten zurück gegriffen, die aus Ängsten konstruiert wurden und noch mehr Ängste schüren. Jenseits von Gut und Böse. 

Und nun?

Lange habe ich überlegt, ob es noch einen weiteren Text braucht. Einen Text von mir, die lieber in kritischen Texten anderer versinkt als diese schreibt. Überlegt, ob ich mich positionieren sollte, wollte, muss. Letztendlich habe ich mich dafür entschieden, obwohl schon viel gesagt und geschrieben wurde und wir doch alle wissen, was los ist. Wir können die Augen nicht verschließen und wir dürfen es auch nicht. Doch zwischen den vielen Horrorgeschichten passiert noch so viel mehr und dieses würde ich gerne mit euch teilen, denn es sind die schönen Geschichten, die die Herzchen hüpfen lassen, die uns aus der Starre holen können und zum Handeln motivieren, uns aktivieren. Geschichten, die uns diese Zeiten überstehen lassen und zeigen, dass die Welt noch nicht verloren ist. Geschichten, die helfen.

Ob Bikes Without BordersFußballmannschaften mit Neuankömmlingen oder Menschen, die Neuankömmlinge bei sich aufnehmen, im Alltag stetig begleiten oder Auszeiten von diesem ermöglichen (z.B. bei Welcome Dinners), die, die einfach machen, denn „Einfach machen geht. Einfach machen kann jede/r“ und die, die mit unermüdlichem Einsatz Dinge organisieren, die den Alltag der Neuankömmlinge erleichtern; jede noch so kleine Unterstützung hilft. Es werden Impulse gegeben und es wird zum Handeln angeregt und das ist es letztendlich, worum es geht: Wir müssen handlungsfähig bleiben.

Eine radikale Transformation der Gesellschaft kann nur durch die in ihr lebenden Menschen erreicht werden. Dazu aber ist es notwendig, einen anderen Blick auf das System und uns selbst zu entwickeln (Distelhorst, Leistung – Das Ende einer Ideologie, 2014)

Es würde mich sehr freuen, würdet ihr in den Kommentaren und auch ansonsten überall schöne Geschichten teilen. Kleine Geschichten, die ihr selbst erleben durftet oder jene, von denen ihr nur gelesen (Gerne verlinken!) oder auch nur gehört habt. Und – noch viel, viel wichtiger! – unterstützt doch z.B. die Aktion #BloggerfuerFluechtlinge, initiiert von Nico LummaStevan PaulKarla Paul und Paul Huizing. Spendet Geld, Zeit oder Sachspenden, so wie ihr könnt und mögt. Findet Wege, wie ihr euch einbringen könnt. #BloggerfuerFluechtlinge ist eine Aktion von Menschen, die helfen und die Flüchtlingshilfe unterstützen möchten. Doch es gibt auch noch viel mehr unterstützenswerte Hilfsprojekte, z.B. in Hamburg Refugees Welcome – Karoviertel. Die Menschen rund um das Hilfsprojekt engagieren sich auf vielfältige Weise für mittlerweile 1.200 Neuankömmlinge, die in den Hamburger Messehallen untergebracht wurden. Welche Initiative/n kennst du?

Übrigens: Für den 12. September 2015 ist in Hamburg ein Naziaufmarsch geplant, ebenso eine Gegendemonstration. Zeit, auf die Straße zu gehen und zu zeigen, was wir von völkischem Patriotismus halten.

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