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DIE GESCHICHTE, WIE DER VEGANISMUS MICH GEPACKT HAT

Des Öfteren werde ich gefragt, wie ich denn zum Veganismus gekommen sei. Meine Geschichte und so die etwas längere Antwort auf diese Frage möchte ich heute noch einmal hier bei A Very Vegan Life mit Euch teilen und stelle gleich die Frage zurück: Wie seid ihr zum Veganismus gekommen? 

Vegan lebe ich seit dem Jahr 2008 und das geschah so:

Meine erste vegetarische Phase erlebte ich im Alter von 14, das war im Jahr 1997. Ausgelöst wurde diese durch kleine Knochenteile, welche ich in einer Lasagne fand und welche bei mir zu einem bemerkenswerten Nervenzusammenbruch führten. Es muss der erste Moment gewesen sein, welcher mir sehr bewusst machte, dass sich Tiere in meinem Essen befanden. Ich war bestürzt, entwickelte eine starke Abscheu und bekam kein Fleisch mehr runter. In dieser Zeit erstand ich mein erstes OX-Kochbuch und kam so auch das erste Mal mit dem Veganismus in Berührung („Vegetarische und vegane Rezepte – Nicht nur für Punks„). Schon nach einem Dreiviertel Jahr, der Schock war verflogen, legte sich dieser fleischfreie Zustand. Einzig eine Abneigung gegen Lasagne aus Pappschachteln blieb bestehen.

Fleisch, welches fortan wieder auf meinem Teller landete, durfte mich nur auf gar keinen Fall an die Tiere erinnern, welche für das Stück Fleisch gestorben waren. Schon die kleinste Sehne, ein geringer Fettrand oder gar ein richtiger Knochen riefen erneut eine Art Abscheu hervor. Entdeckte ich eine kleine rote Ader in meinem Fleisch, so wurde dieses unbedacht entsorgt. Manche Spezies landete „aus Prinzip“ nicht auf meinem Teller, zum Beispiel kleine Häschen oder auch Rehe. Anderes wurde stark überwürzt, so dass kein Geschmack „nach Tier“ mehr möglich war. Weitere tierliche Lebensmittel nahm ich nur in stark verarbeiteter Form zu mir. Nichts sollte mich an die Tiere erinnern, welche für meine Nahrung den Qualen ausgesetzt waren und ihr Leben geben mussten. „Auf all‘ diese Lebensmittel kann ich doch nicht verzichten, denn was soll ich denn sonst essen„, dachte ich.

Mit 19 Jahren erfolgte mein Umzug aus der ostwestfälischen Kleinstadt in die für mich damals riesige Hansestadt Hamburg. Durch mein Umfeld, in welchem sich plötzlich viele VegetarierInnen und einige VeganerInnen tummeln, ereignete es sich, dass auch ich hin und wieder in den Genuss vegetarischer und auch veganer Gerichte kam. Darüber, ob diese Lebensform auch für mich in Frage kommen würde, dachte ich allerdings erst einmal nicht weiter nach.

Zu dieser Zeit befand sich im Stadtteil Uhlenhorst eine nostalgisch anmutende Fleischerei und auch die Damen hinter der gläsernen Theke hatten ihre besten Jahre schon sehr lange hinter sich gelassen. Dort besorgte ich mir, auch wenn der Gang nie einfach war, weiter kleine Schnitzelchen vom Kalb, sehnen- und fettarmes Tartar und so manches Mal auch Filetspitzen von vermeintlich bester Qualität. Eines Tages erstarrte ich: Auf einem kleinen Zettelchen im riesigen Fenster der Fleischerei war zu lesen, dass die letzten Stunden gezählt seien, man müsse auf Grund des stark vorangeschrittenen Alters schließen. „Pah! Dann ess‘ ich einfach gar kein Fleisch mehr…“, entgegnete ich trotzig und an dieser Stelle muss es plötzlich und unerwartet Peng gemacht haben, so dass ich mich tatsächlich mit den Themen Vegetarismus und Veganismus auseinander setzte.

Sehr schnell stellte ich fest, dass der Vegetarismus auch nicht das Wahre ist, legte für mich fest „Don’t do anything by half“ und stellte zugleich noch mein bisheriges Leben in Frage. Eine der wichtigen Entscheidungen, welche in dieser bewegten Zeit fielen, war die bewusste Entscheidung für den Veganismus. Ausgerüstet mit meinem erlangten Wissen, ein paar wenigen veganen Vor-Erfahrungen und dem schon zerfledderten OX-Kochbuch von 1997, ging ich es an. Unzählige Stunden wurden zur Beschaffung weiterer, brauchbarer Informationen aufgewendet, Suchmaschinen des Internets wieder und wieder bemüht, vegan lebende FreundInnen mit den vielen Fragen bombardiert und das Angebot der umliegenden Bioläden und Supermärkte stundenlang durchsucht. Nur allmählich kam ich voran, konnte meine Wissbegierde nach und nach befriedigen.
Auf gar keinen Fall wollte ich nur einen kleinen Schritt zurück machen, verschenkte daher Lebensmittel, welche tierliche Bestandteile enthielten und ersetzte nach und nach alles Weitere.

Seit ich vegan lebe, hat sich dementsprechend Vieles (für mich) verändert. Unter anderem konnte ich viele interessante Lebensmittel kennen lernen, welche zuvor nie ein Zuhause in meinem Vorratsschrank gefunden hätten, darunter verschiedenartige Linsen, Tofu oder auch Quinoa. Mittlerweile befinden sich in meinem Umfeld auch viele weitere VeganerInnen. Manche von diesen sind auch FreundInnen, welche damals meine Umstellung von omnivor zu vegan miterleben mussten (und vielleicht noch hofften, dass es sich auch hier wieder nur um eine kurzzeitige, nervige Phase meinerseits handele). Auch meine Familie konnte ihre anfängliche Skepsis ablegen und isst heute manches Mal bewusst vegan, oft vegetarisch. Ich lebe in einer veganen Beziehung. Vegan zu leben ist in den vergangenen Jahren sehr viel einfacher geworden und es ist erstaunlich, wie sehr ich mich auch heute noch freuen kann, stelle ich fest, dass ein Produkt tierversuchsfrei und vegan hergestellt wurde oder wenn ein besonderes Rezept funktioniert. Ich kann mit Freude sagen, dass meine Wertschätzung eine andere geworden ist und ich heute bewusster lebe als zuvor, immer mit der Motivation, die Stimme derer sein zu können, welche in unserer Gesellschaft keine Stimme haben. Anfänglichen Ängste und Bedenken konnten sich übrigens nicht bestätigen.

Bleibt daher nur die Frage: Warum hat es nicht schon viel früher Peng gemacht?

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2 Comments

  • Reply
    Mirka
    18. März 2013 at 16:57

    Hallöchen!

    Was mich sehr interessieren würde: Wie genau ernährst du deinen Hund rein pflanzlich? Kannst du da ein wenig zu schreiben? Ich möchte mir nämlich in den nächsten zwei, drei Jahren einen Hund zulegen und das Thema ist dann natürlich auch von Bedeutung, weil ich mir wünschen würde, meinen Hund pflanzlich zu ernähren, aber einem da ja oft irgendwelche Bedenken eingeimpft werden, ähnlich wie bei der Aussage „Ich ernähre mein Baby/Kleinkind vegan“. Vielleicht kannst du mir ja auch einfach ein wenig Lektüre (online?) zum Thema empfehlen.

    Viele Grüße,
    Mirka

    http://twitter.com/verdachtsmoment

    • Reply
      Lena
      18. März 2013 at 17:51

      Hallo Mirka,
      ich ernähre Wilma bereits von Anfang an vegan. Sie isst Bio-Hundefutter von Yarrah, daneben viel Obst und Gemüse, von Bananen bis Möhren, hin und wieder gibt es ein wenig Hanföl übers Futter, Algen…
      Ich habe mir damals das The Simple Little Vegan Dog Book von Michelle A Rivera besorgt, dort steht ua drin, was für Hunde geeignet ist und was besser nicht, auch ein paar Rezepte für Leckerli… Es ist schon hilfreich!
      Vor kurzer Zeit entdeckte ich ein Buch „Vegan kochen für Mensch und Hund“, doch habe ich es mir seither noch nicht angesehen, daher kann ich dazu leider nicht mehr sagen. Wilma geht es wunderbar mit der Ernährung, sie hat im Gegensatz zu ihren Bully-Freunden kein Übergewicht oder andere Problemchen, welche möglicherweise auf die Ernährung zurück zu führen sein könnten. Hunde kann man bedenkenlos vegan ernähren – im Gegensatz zu Katzen -, doch solltest Du genau schauen, wie es Deinem Hund mit der Ernährung geht, genau beobachten… ggf. kann man auch Bluttests beim Tierarzt durchführen, solltest Du bedenken haben, dass Dein Hund Mangel erleiden könnte.
      Natürlich wird man immer wieder schief angesehen, wenn heraus kommt, dass man den Hund vegan ernährt, doch da muss man dann einfach drüber stehen und Haltung bewahren. (: Wenn Du spezifischere Fragen hast, dann kannst Du mir auch gerne eine Mail schreiben…

      Viele Grüße, Lena

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